Expertentipp Kinderschuhkauf

Schuhkauf für Kinder ist keine leichte Sache, denn dabei kommt es – zumindest gefühlt – doch sehr darauf an, dass sie richtig passen. Außerdem kann dabei schon eine kleine Investition anstehen, und dann wäre es ärgerlich, wenn schon nach wenigen Metern der Schuh drückt. Wir haben deshalb beim Schuhhaus Lamskemper in Schloß Neuhaus nachgefragt, was es zu beachten gilt.

Ganz allgemein erfuhren wir, dass der menschliche Fuß aus einem komplizierten System von Muskeln, Sehnen, Bändern und Blutgefäßen besteht. Ein Gerüst aus 26 Knochen und zwei sogenannten Sesambeinchen (das sind kleine, in eine Sehne eingebettete Knochen) stabilisiert. All diese Knochen sind natürlich bei der Geburt noch nicht ausgebildet, ihre Reifung dauert bis zum Jugendalter. Der Schuhkauf wird zusätzlich erschwert, da Kinderfüße in den ersten Jahren schmerzunempfindlich sind. Die Kinder können deshalb die Passform nicht selbst beurteilen, und umso wichtiger sind gut passende Kinderschuhe.

Ganz allgemein vorweg: Welches ist der größte Fehler, den man beim Schuhkauf für Kinder machen kann?

Der größte Fehler sind zu kleine Schuhe. Die Zehen haben dann keinen Platz zum Abrollen und werden gestaucht. Aber auch zu große Schuhe erlauben kein natürliches Gangbild, die Kinderfüße rutschen im Schuh nach vorne, und werden ebenso gestaucht. Außerdem sitzen sie dann an der Ferse nicht gut und scheuern. Ca. 98% der Kinder kommen mit gesunden Füßen zur Welt, bei fast 30% der Schulkinder wurden schon Fußschwächen oder sogar Fußschäden festgestellt. In den meisten Fällen führt man das auf das Tragen von nicht passenden Schuhen zurück. Mit den Jahren verschlimmern sich diese Fußschäden noch. Die Folge: Rund 2/3 aller Erwachsenen leiden an Fußdeformationen, welche dann auch zu Fehlentwicklungen des gesamten Bewegungsapparates führen.

Wann ist es Zeit für die ersten festen Schuhe, und wie findet man das richtige Modell?

Die ersten Schritte können die Kinder barfuß, in Stopper-Socken oder Krabbelschuhen machen, denn sie haben natürliche Fettpolster, sind gut isoliert. Das kräftigt die Fußmuskulatur. Daraus ergibt sich, dass gute Erstlingsschuhe leicht und sehr flexibel sein müssen, um so allen natürlichen Bewegungen des Fußes folgen zu können und trotzdem standsicher zu sein. Das Kind bekommt die Schuhe nicht zum Laufen lernen, sondern zum Schutz vor Kälte, Schmutz oder Verletzungen. Die ersten festen Schuhe benötigen die Kinder folglich, wenn sie auch draußen laufen.

Muss das Kind beim Schuhkauf auf jeden Fall dabei sein oder kann man auch einfach nach Größe kaufen? Wie findet man zu Hause raus, ob ein Schuh noch passt bzw. ermittelt die richtige Größe?

Wenn Kinderschuhe wirklich passen sollen, muss das Kind beim Schuhkauf mit dabei sein. In guten Geschäften werden Kinderfüße mit dem WMS-System nach Länge und Breite gemessen und dann werden entsprechend Schuhe probiert. Bei vielen Schuhen kann man die Decksohlen herausnehmen und sieht dann den Fußabdruck. Noch genauer ist es, das Kind auf die Decksohle zu stellen. Kinderfüße wachsen nicht regelmäßig, sondern in Schüben. Im 2. und 3. Lebensjahr wachsen Kinderfüße erfahrungsgemäß 2 bis 3 Schuhgrößen pro Jahr. Im Kindergartenalter 2 Größen und im Schulalter 1-2 Größen. Bei uns können Kinderfüße jederzeit kostenlos nachgemessen werden.

Warum gibt es eigentlich so große Preisspannen bei Schuhen? Liegt das schlicht an den Marken oder gibt es so wirklich gravierende Qualitätsunterschiede?

Hochwertige Schuhe bieten da sowohl die bessere Passform als auch die qualitativ Kind gerechteren Materialien.

Gerade wenn man viel Geld dafür ausgegeben hat und der Schuh noch in Ordnung ist: Ist es okay, Schuhe auch zum Beispiel unter Geschwistern aufzutragen oder ist da was dran, dass die sich einem Fuß so sehr anpassen, dass sie für einen anderen nicht mehr taugen?

Wenn Weite und Länge stimmen und die ursprüngliche Form des Schuhs noch erhalten ist, ist das ist das möglich. Zu abgenutzt sollte er nicht sein.

Was macht einen guten Kinderschuh aus und was geht gar nicht?

Ein guter Schuh zeichnet sich durch die Passformen aus, er ist weich und flexibel. Außerdem hat er hochwertige Materialien. Der Fuß kann bei einer harten Sohle nicht normal abrollen.

Welche Schuhe sind denn bei Kindern (und vielleicht auch Eltern) derzeit besonders beliebt?

Bei Kleinkindern ist das auf jeden Fall ein klassischer weicher Schnürschuh, bei größeren Kindern sind das Sneaker-Typen, die wollen dann keine klassischen Kinderschuhe mehr.

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