Druckwerkstatt im Kloster Dalheim

Foto: Harald Morsch

Ein Stück weit waren wir Wiederholungstäter, als wir uns früh im Jahr zum Kloster Dalheim aufmachten. Denn hier schaute sich schon einmal ein HEFTchen-Testteam im tollen Klostermuseum um. Allerdings ist das schon eine ganze Weile her (2013) und damit wurde es längst Zeit zurückzukehren. Damals machten wir uns mit der Pilgertasche auf Entdeckungstour. Dieses von uns für supergut befundene Angebot besteht noch immer und kann jederzeit als Begleitprogramm für Kinder genutzt werden. Dazu bitte einfach am Museumsempfang nach der Pilgertasche fragen!

Bei unserem jetzigen Besuch durften wir eines der museumspädagogischen Programme testen, die speziell zur großen Luther-Ausstellung aufgelegt wurden und die man schon im Voraus buchen muss. Geeignet sind sie für Schulklassen und andere größere Gruppen ebenso wie für Kindergeburtstage oder einfach einen schönen Ausflug im erweiterten Familien- oder Freundeskreis. In der Klosterschule erwartete uns die „Druckwerkstatt“ und darin wiederum ein bekanntes Gesicht. Bei Rita Meermeyer auf dem Wantüns Hof nämlich hatten einige von uns bereits tolle Kindergeburtstage gefeiert. Aber dazu in einem anderen Ausflugstipp bestimmt irgendwann mehr.

Foto: Harald Morsch

Warum es sehr viel Sinn ergibt, sich gerade in einem Kloster mit Drucktechniken zu beschäftigen, erfuhren wir bei einem kleinen Rundgang durch einige Räume des Museums. Noch bevor wir an der beeindruckend lauten Glocke zum Einlass ins Kloster läuten durften, überlegten wir gemeinsam, was einen wohl damals ins Kloster führte und was es bedeutete, sich auf das Leben dort einzulassen. Durch den wunderschönen Kreuzgang mit den kunstvollen Deckengemälden und zumindest für Kinder noch viel spannenderen Deckenspiegeln betraten wir den wichtigsten Raum des Klosters, die Kirche. Da war es gerade vor allem richtig, richtig kalt, und wer vorher vielleicht noch gedacht hatte, so ein Klosterleben sei damals vielleicht eine nette Alternative gewesen, kam spätestens bei der Information, dass es nur in einem einzigen Raum eine Möglichkeit zum Heizen gab, doch ins Wanken. Und acht Gebetsphasen am Tag bei einer Weckzeit von halb zwei nachts klangen jetzt auch nicht soooo verlockend. Für uns als angehende Drucktechniker bot vor allem das Skriptorium natürlich Spannendes. Hier erfuhren wir, dass Arbeit für die Mönche eben auch das Abschreiben heiliger Schriften bedeutete. Vor allem aber lernten wir die Materialien dazu kennen. Pergament und zahlreiche Pflanzenstoffe, Mineralien und Tierprodukte wurden eingesetzt und werden hier gezeigt.

Dann trafen wir Luther natürlich auch noch selbst, der in Projektionen immer wieder in der Sonderausstellung auftaucht. Nicht zu übersehen ist er, und zu überhören auch nicht, wenn er schon im Erdgeschoss seine Thesen an die Kirchentür nagelt. Frau Meermeyer zeigte uns eine frühe Druckausgabe der lutherschen Bibelübersetzung und führte uns damit vor, was die Kinder gleich selbst erledigen durften. Vorher aber konnten wir nicht am Ablasskasten vorbei, ohne uns noch einen Heiligenschein aufzusetzen. Wie das geht, schaut man sich am besten selbst in der Ausstellung an.

Zurück in der Klosterschule gingen alle Kinder begierig ans Werk. Da es nur eine kleine Gruppe war, konnten sie aus dem Vollen schöpfen. Bei Schulklassen wird eine Technik ausgewählt, aber wir konnten mit Druckplatten und einer schweren Druckerpresse arbeiten, eigene Stempel aus verschiedenen Materialien herstellen, mit Federn und Tinte schreiben oder auch fertige Stempel nutzen, um kleine und größere Kunstwerke herzustellen.

ELTERNMEINUNG
So ist das, wenn man denkt, man führe wegen der Kinder los, wenn man glaubt, man kenne das Klostermuseum Dalheim längst. Man will sich zurückhalten, die Kinder nur begleiten. Aber dann betrachtet man alles aus diesem bestimmten Blickwinkel und hat selbst gleich so viele Fragen und lernt so viel Neues. Die Purpurschnecke mit Verlaub hat uns alle schwer beeindruckt. Man muss 10.000 Schnecken melken, um etwa 1g Purpur zu erhalten. Himmel! Bei unserer

Foto: Harald Morsch

Stippvisite in die Sonderausstellung konnten wir in unserem Schulwissen kramen, um zu erklären, wie das noch war mit diesem Tetzel und was noch gleich Ablasshandel bedeutete. Einen Heiligenschein wollten wir alle gerne haben, und es hat richtig Spaß gemacht, den Kindern zuzuschauen. Wir wurden früher noch oft ermahnt, ehrfürchtig und mucksmäuschenstill durchs Museum zu schreiten. Heute darf auch mal gerufen und gelaufen werden, auch wenn der nötige Respekt sicherlich nicht fehlen sollte. So wird das Museum zum Erlebnisort. Und dieser Ausflug nach Dalheim bleibt den Kindern sicher in guter Erinnerung, denn spätestens in der Klosterschule haben sie mit richtig viel Spaß alles ausprobiert und erkundet.

Foto: Harald Morsch

Dabei war Frau Meermeyer uns eine ausgezeichnete Führerin durchs Museum und auch eine gute Begleitung für das praktische Programm. Sie traf genau den richtigen Ton für die Kinder und ging auch auf die hundertste Frage noch ein, selbst wenn sie manche Antwort eben auch nicht geben konnte. Wo zum Beispiel der Klosterschatz bei der Auflösung des Klosters hingekommen ist, und woraus der im Einzelnen bestand, entzog sich etwa 200 Jahre später ihrer Kenntnis. Beim Drucken und Gestalten gab sie genau so viel Hilfe wie nötig und ließ zugleich den Kindern Freiraum. Es war ein ebenso lehrreicher wie abwechslungsreicher und aktiver Nachmittag.

KINDERMEINUNG
Das Angebot ist gedacht für Kinder zwischen 8 und 10 Jahren, und so hatten wir diesmal Anna, Franziska, Merit, Lissy, Julius und Laurin (alle 9 Jahre) und Katharina und Kathalin (beide so gut wie 8 Jahre) dabei. Man hätte die Kinder gar nicht fragen müssen, wie es ihnen gefallen hat, denn das konnte man schon sehen. Sowohl beim kurzen Museumsrundgang wie auch beim Drucken waren sie voll bei der Sache und ganz lebendig unterwegs. Die Farbstoffe faszinierten sie ganz offensichtlich. Rot aus Läuseblut, das man auch noch bis vor kürzerer Zeit zum Beispiel in Lippenstiften und Gummibärchen nutzte war ebenso eklig-spannend wie die Schafshaut als Pergamentgrundstoff. Weniger schaurig, aber ebenso interessant waren Lapislazuli, den manche vom Computerspielen kannten oder die angespitzte Gänsefeder als Vorläufer des Füllers. Auf der Rückfahrt wurde über die Möglichkeiten der Errichtung einer Purpurschneckenfarm im heimischen Gartens zugunsten des Taschengelds nachgedacht. Erstaunlicherweise nannten

Foto: Harald Morsch

mehrere Kinder besonders die Wärmestube als besonderes Highlight. Der alte Boden mit Lichtinstallation und die Tatsache, dass man sich dort auch an einem Tag wie diesem nur eine Stunde hätte aufwärmen dürfen, beeindruckte offenbar sehr. Beim Anblick und der Vorstellung Luthers ging ein Raunen (wenn nicht sogar auch ein kleines Aufstöhnen) durch die Gruppe, denn offenbar ist das Lutherjahr auch im Schulunterricht bereits ausgiebig Thema gewesen. Natürlich kam vor allem das Selbermachen besonders gut an. Besonders die Vielfalt der Techniken begeisterte, und fast jede/r probierte alles aus, auch wenn sich die einen vor allem in gotischer Schrift mit der Gänsefeder übten und andere die Druckplatten und die große, schwere Druckpresse besonders ausgiebig erprobten. Die Ergebnisse waren sehr verschieden und allesamt sehenswert. Ein Ausflug, bei dem man die Kinder regelrecht aus dem Museum zerren musste. Aber da wartete ja zum Glück der Dalheimer Schnee, und das verschneite Klostergelände mit beleuchtetem Weg sieht nicht nur zauberhaft aus, sondern lädt zum Drüberrennen unbedingt ein, so dass auch unser Winterbesuch ein rundherum Gelungener war.

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