Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

Wonach sehnt man sich an grauen, verregneten Januarsonntagen? Ganz klar nach MEHR LICHT. Dieses Bedürfnis soll der große Goethe als letzte Worte auf dem Sterbebett gehaucht haben, und genau dieser Ausspruch ist es auch, der die Besucher des Zentrums für Internationale Lichtkunst in Unna über dem Eingang begrüßt. Dieses bisher einzige und damit eben auch erste Museum seiner Art wurde 2001 begründet und ist damit noch eine vergleichsweise junge Attraktion. Im weitläufigen Keller der ehemaligen Lindenbrauerei kann man ganz aus Welt und Wetter draußen fallen, denn dort zaubern fast zwanzig Lichtinstallationen zusammen mit dem rohen Charme der Gewölbe eine einmalige und weltentrückte Atmosphäre, die ganz sicher ganzjährig verzaubert.

Öffentliche Führungen und Familienprogramme

Genau solch einen oben beschworenen fiesen Wintertag hatten wir uns ausgesucht, um mit drei Kindern im Alter von 8 bis 12 Jahren und ihren Eltern nach Unna zu fahren. Der Besuch bedarf etwas Planung, denn man kann die Ausstellung im Allgemeinen nur im Rahmen einer Führung besuchen. An den öffentlichen Führungen, die Di bis So mehrmals täglich stattfinden, darf man allerdings auch spontan erscheinen.  Online kann man sich zu den speziellen Familienführungen anmelden, die für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren empfohlen werden. Erwachsene dürfen daran ausdrücklich nur in Begleitung von Sprösslingen teilnehmen. Zu den Lichterlebnissen gehören außerdem noch Programme für Schulklassen und Kindergeburtstage. Wer mag, kann sich sogar im Kellergewölbe trauen lassen!

Kunst im Keller

Der fensterlose Keller bietet jedem Kunstwerk ausreichend Raum, um ganz und gar wirken zu können. Die internationalen und weltweit renommierten Künstler und Künstlerinnen  – darunter so bekannte Namen wie Rebecca Horn oder Olafur Eliasson – haben diese Werke extra für das Museum geschaffen, so dass sie genau auf ihren Platz zugeschnitten sind.

Entdeckersets für Kinder

Wir hatten uns für einen Besuch mit Entdeckerset entschlossen, das man am ersten Sonntag im Monat im Rahmen der offenen Begehung von 11 bis 17 Uhr (Stand: Januar 2020) ausleihen kann. Offene Begehung meint dabei nicht freien Eintritt, sondern den individuellen Besuch ohne Führung, der sonst eben nicht möglich ist. Das Entdeckerset ist ein Rucksack, aus dem man zum einen Utensilien wie Farbfilter oder Kaleidoskop fischen kann, um die Kunstwerke mit anderem Blick zu betrachten. Zum anderen trifft man in einer kleinen, aber feinen Rallye Morse Mouse, die der Geschichte zufolge noch im Brauereikeller lebt, aber nur noch in Morse-Sprache mit den Menschen in Kontakt tritt. Um ihr eine Botschaft zukommen zu lassen, gilt es zu fast jedem Ausstellungsstück eine Frage zu beantworten. Das ist nicht allzu schwierig, zumal man immer zwischen drei Antworten wählen kann. Allerdings schaut man mit diesen Fragestellungen genauer auch auf Details der Kunstwerke. Mit einem thematisch passenden Geschenk werden die Mäusefreunde bei der Abgabe des Lösungswortes und seiner Übersetzung ins Morse-Alphabet belohnt.

Elternmeinung

Es ist schon ein bisschen unangenehm, es zugeben zu müssen, aber wir waren tatsächlich alle zum ersten Mal in Unna, und hatten nicht geahnt und eben noch weniger gewusst, dass sich dort eine solche Museumsperle finden lässt. Wenn man die Anschrift ins Navi eingibt, muss man im wahrsten Wortsinne ein wenig um die Ecke denken, denn der Eingang befindet sich am Rande einer Fußgängerzone  Die Tür zum Gewölbe wirkt beeindruckend schlicht, so dass es doppelt spannend wird, die nackten Treppen ins Untergeschoss hinab zu steigen. Dieses Gefühl bleibt, wenn man durch an sich dunkle und kühle Gänge von Raum zu Raum wandert. Umso spektakulärer sind die Eindrücke, die die Installationen in diesem Industriedenkmal machen. Damit ist der Kellerspaziergang auf jeden Fall ganz und gar spannend und ein nachhaltiges Erlebnis, aber kein bisschen gruselig oder Angst einflößend. Lichtkunst ist ohnehin auch für solche Menschen geeignet, die sich selbst sonst von Kunst, gar zeitgenössischen Werken, tunlichst fernhalten, denn ganz abgesehen von den Aussagen und Intentionen der Kunstschaffenden, wirkt sie für sich und macht nicht selten richtig Spaß. Um Oscar Wilde zu zitieren: „Wer unter die Oberfläche schaut, tut dies auf eigene Gefahr…“ Kann man machen, muss man aber nicht.

Kindermeinung

Die Kinder fanden die Ausstellung großartig und staunten eigentlich durchgehend mit offenem Mund. Allerdings hatten sie es auch richtig eilig, denn zu aufregend war es, sofort auch den nächsten Raum zu entdecken. Das Entdeckerset erwies sich daher als Segen, um ein bisschen genauere Wahrnehmung zu ermöglichen. Manches mussten sie dann doch ausgiebig genießen.

Wir waren schon vorher auf Werke von Olafur Eliasson gestoßen (wer im Dänemarkurlaub Aarhus erreichen kann, sollte den Regenbogen-Glas-Gang Your Rainbow Panorama auf dem dortigen Kunstmuseum nicht verpassen!) und auch diesmal war es sein mit Stroboskop-Licht beschienener Wasserfallgang, der uns allen am allermeisten gefiel. Das aber auch nur, wenn man sich denn für einen Platz 1 entschieden müsste… Ebenso werden nämlich sicherlich der interaktive Beitrag von Blendid oder die Lichtschleifen von Keith Sonnier in Erinnerung bleiben. Und überhaupt war der Besuch im Zentrum für internationale Lichtkunst Unna eine bleibende und durchweg positive Begegnung mit Kunst und ein ganz und gar lohnender Ausflug.

Zum Zentrum für Internationale Lichtkunst geht es hier.

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