Wandern mit Eseln im Altenautal

Achtung,

diesen Ausflug empfehlen wir nur auf eigene Gefahr, denn die Chance, dass sich dabei jemand unsterblich in einen Esel verliebt, ist richtig, richtig groß!

Vorbereitungen auf der Wiese

Wir hatten derartiges Glück mit dem Wetter! Einen Tag vorher war es noch eher so durchwachsen, und dann kam die Sonne raus und machte unseren Tag im Altenautal einfach perfekt! Auf ihrer Wiese in Lichtenau-Husen erwarteten uns schon Elisabeth und Wolfgang mit den Eseldamen Rosalie, (Liese)Lotte, Emma und dem Wallach Manu(el). Und schon da war es richtig gemütlich: Für die Zweibeiner gibt es Hängesessel, bequeme Stühle, Bänke und Schatten unter Obstbäumen, für die Vierbeiner einen Unterstand, eine ausgefuchste Bremensablenkungsfalle, einen Sandplatz zum Suhlen und leckeres frisches Gras mit Blumen und Kräutern. Gleich hier begannen wir zu lernen: Esel stammen eigentlich aus kargen steinigen Gegenden, so dass sie von Natur aus nicht gewohnt sind, ein reichhaltiges Buffet ständig vorm Maul zu haben. Eigentlich können sie froh sein, wenn sie hier und da ein dünnes Hälmchen finden. Deshalb muss man tierisch aufpassen, dass sie sich nicht überfressen, denn davon werden sie krank. Und – die Frage zu beantworten hatten wir aufgetragen bekommen: Esel können sich nicht übergeben! Von uns bekamen sie deshalb Heu und Zweige. Die Morgentoilette bei Eseln besteht in einem ausgiebigen Sandbad, weshalb wir sie noch bürsten und putzen konnten. Als wir uns so besser kennen gelernt hatten, gab es einen schicken Fransenpony als Fliegenschutz für die Tiere und für die Menschen eine Kurzeinweisung ins Thema „Eselführung“, bevor wir dann zu unserer kleinen Wanderung aufbrachen.

Einen Esel kann man zu nichts zwingen

Und wer hätte gedacht, was für coole Tiere das sind. Von wegen störrisch! Wenn ihnen was komisch vorkommt, bleiben sie halt stehen, gucken, was passiert, und wägen ab. Und wenn sie nicht wollen, wollen sie eben nicht. Wie uns Wolfgang erklärte: „Einen Esel kann man zu nichts zwingen.“ Deshalb nutzt es auch nichts, laut zu werden oder gar an ihnen zu zerren. Einen Esel kann man nur überzeugen, und dazu muss man sein Vertrauen gewinnen. Zugleich spiegeln die Tiere den Menschen ganz genau: Ist man beim Führen nervös, ist es das Tier auch, bleibt man ruhig und geht unbeirrt auch an einem Hindernis vorbei, macht der Esel mit … jedenfalls vielleicht. Also nicht, wenn gerade voll leckere Kräuter am Wegesrand stehen, wenn das Leittier einen anderen Weg einschlägt oder wenn man vergisst, einen Bogen um die Gullideckel zu machen. Da klingt nämlich der Hufschlag anders, und das ist dem Esel ein bisschen unheimlich. Unsere Wanderung durchs Dorf war insofern eine spannende Sache, aber Mensch und Tier groovten sich aufeinander ein und unser kleiner Marsch wurde immer ruhiger. Die Tiere gewöhnten sich an uns und die Menschen lernten, ihre Eigenarten zu akzeptieren und sogar vorauszusehen. Ohne Rücksicht läuft es eben nicht.

Picknick für Mensch und Tier

Bei einer kleinen Schutzhütte machten wir Pause und genossen unser mitgebrachtes Picknick am Lagerfeuer. Die Esel durften die kleine Wiese mähen und vor allem die Kinder vertieften ihre Liebe zu den Vierbeinern. Inzwischen erfuhren wir, wie Elisabeth und Wolfgang auf den Esel gekommen sind. Sie haben einige Zeit mit Blick auf eine Eselwiese gewohnt und hatten die Tiere immer mehr ins Herz geschlossen. Als dann eines Tages Elisabeth die erste war, die am Morgen die kleine neugeborene Lotte auf der Wiese entdeckte, war es um sie geschehen. Als Lotte und ihre Schwester Rosalie zum Verkauf standen, war klar, dass sie längst zu Elisabeth gehörten. Und obwohl Wolfgang auch immer schon dabei war, wollte er dann so einen richtig eigenen Esel. Das wurde dann Emma, und da Esel Gruppentiere sind, ist ein Trio keine gute Besetzung. So kam vor etwa einem Jahr der Wallach Manu dazu, der nun meint, er sei der Chef. Die Mädels lassen ihn weitestgehend in dem Glauben, aber wenn er zu sehr Macho spielt, erinnern sie ihn, dass es bei Eseln keine Chefs gibt. Auch die Menschen gehören zwar irgendwie zur Gruppe, aber eine feste Rangordnung wie bei Hunden und ansatzweise auch bei Pferden brauchen Esel nicht. Wenn sie mal abhauen, tun sie das gemeinsam und kommen dann auch gemeinsam wieder angetrabt.

Bis zu sechs Erwachsene oder auch vier Große und vier Kinder können mit wandern, denn so kann man gut Gruppen einteilen und es wird auch für die Esel nicht zu aufregend mit so viel neuen Leuten.

Elternmeinung

Selbsterfahrung im besten Sinne

Wandern mit Eseln – das klingt aber schwer nach Selbsterfahrung. Und, was soll ich sagen, das ist es auch. Allerdings erfährt man viel Schönes über sich und auch über seine Kinder, wenn man einen Familienausflug zu Elisabeth, Wolfgang und ihren Eseln ins Altenautal macht. Mit Geduld, Empathie und Respekt kommt man weiter als mit Druck und Machtspielchen – diese Lektion bringen einem die Tiere sehr schnell bei. Es macht unglaublich zufrieden, wenn die Tiere vertrauensvoll neben einem hertrotten. Das klappt aber eben nur, wenn man sich auf sie einlässt.

Warum heißt es eigentlich „Eselsbrücke“?

Der Begriff der „Eselsbrücke“ kommt übrigens daher, dass Esel Brücken eher nicht mögen und lieber einen Umweg nehmen, wie man es beim Denken über eine Eselsbrücke auch macht, und dann letztlich sicherer ans Ziel kommt (dazu hier übrigens noch ein Literaturtipp). Eine Brücke haben wir gemeinsam gemeistert, bei der zweiten schafften Manu und Milla es auf die andere Seite, die nächsten Esel blieben einfach davor stehen und wollten und wollten einfach nicht drüber. Da half alles Zureden und sanftes, „Voran“ nicht. Man muss gemeinsam den Weg finden, aber das gelang, und so machten Emma und ihre menschliche Begleitung hin und wieder einen kleinen Umweg, wenn die Eselin einfach mal in die andere Richtung wollte, und das Pubertier Lotte schnappte sich einfach hier und da ein paar Halme vom Wegesrand, wenn der fiese Hunger allzu sehr zwickte. Im Großen und Ganzen  aber wurden wir immer besser. Esel mögen keine Nutztiere mehr sein, aber wir konnten die Liebe, die Wolfgang und Elisabeth zu ihren Tieren haben, nicht nur vollends nachvollziehen, sondern gleich teilen, und hatten einen wirklich großartigen Tag.

Kindermeinung

Esel sind Kuscheltiere!

Kinder von 4 bis 12 Jahren hatten wir dabei, als wir nach Husen fuhren. Darunter waren zwei, die vorab schon angekündigt hatten, dass sie eher Abstand halten wollten, weil sie generell ziemlichen Respekt vor Tieren haben. Und so staunten wir nicht schlecht, als auch diese beiden ziemlich schnell dem Charme der Esel erlagen. Intensive Zwiesprache beim Spaziergang und ein großes Teamgefühl waren zu beobachten. Da war plötzlich nur noch die Rede von „wir“ und sogar kleine Reitversuche wurden unternommen (die aber nur auf eigenes Risiko und unter sorgsamer Aufsicht). Und dann ist eben vielleicht so ziemlich das Tollste an diesen Eseln, dass sie echte und im Wortsinne Kuscheltiere sind. Sie lieben es zu kuscheln, fordern es manchmal sogar ein und lassen es gerne geschehen. Sie genießen es sichtlich gekrault zu werden (sogar IN den wunderschönen langen Ohren) und mögen selbst liebevolle Umarmungen. Die Kinder so voller Vertrauen und Tierliebe mit geschlossenen Augen am Eselsrücken ruhend zu beobachten, war wunderschön. Da ging den Menschen- und den Esel-„Eltern“ wahrlich das Herz auf. Der Abschied fiel entsprechend schwer und wir werden schon seit der Rückfahrt und anhaltend gefragt, wann wir denn die Tiere wieder besuchen.

Kontakt zu den Eseln im Altenautal findet ihr unter

0170 1044418

dalheimeresel@yahoo.com

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