Hebamme Dagmar Büssemeier vom Geburtshaus Paderborn

Seit September 2009 gibt es in Paderborn ein Geburtshaus, das Dagmar Büssemeier und Kerstin Jessen als Geschäftsführerinnen leiten. 2010 kamen hier 40 Kinder zur Welt, was auf Anhieb die Erwartungen der beiden Gründerinnen übertroffen hat. Das Geburtshaus liegt auf dem Gelände der St. Vincenz-Frauen-und Kinderklinik, ist aber davon unabhängig. Hier werden Frauen und Paare durch die Schwangerschaft begleitet, können „interventionsarm“ entbinden und auch nach der Geburt Kurse belegen. Einige der Mehrkosten müssen die Familien selbst tragen, und zum Konzept gehört es, dass man sich vorher gut kennen lernt. Es ist also ein wenig Kosten und Zeit intensiver ins Geburtshaus zu gehen, aber man bekommt dafür auch mehr. Dagmar Büssemeier hat uns ein etwas darüber erzählt.

HEFTCHEN:

Erstmal die Fakten: Wie viele Leute gehören denn zum Geburtshaus?

DAGMAR BÜSSEMEIER:

Zehn Hebammen arbeiten im Geburtshaus, aber nicht alle davon gehören zum Geburtsteam; wir bieten ja auch viele Kurse an. Sieben Hebammen begleiten auch Geburten: Neben mir und Kerstin sind das Almut Reinecke, Marion Stöber, Pia Brockmann, Rahel Pilgrim und Sandra Westkamp. Es gibt aber auch weitere Kursleiterinnen, etwa für PEKIP, Musikgarten o.ä.

HEFTCHEN:

Ganz ehrlich: Als ich das erste Mal vom Geburtshaus hörte, dachte ich, das ist doch nur was für so „Alternative“. Begegnet euch das Vorurteil oft?

DAGMAR BÜSSEMEIER:

Ja, sicher, und auf Wunsch verstreuen wir auch Nashornpulver! Scherz beiseite: Das Geburtshaus ist sicher alternativ, wenn man es mit der Arbeit in einer Klinik vergleicht, und damit ist es eine Alternative für alle, die sich eben etwas anderes wünschen.

HEFTCHEN:

Was macht ihr denn so anders?

DAGMAR BÜSSEMEIER:

Wir arbeiten „interventionsarm“, d.h. wir lassen der Natur ihren Lauf und greifen so wenig wie möglich und nötig ein. Wenn natürlich ein Notfall entsteht, arbeiten wir auch mit den Ärzten der benachbarten Frauen-und Kinderklinik zusammen. Wenn es Komplikationen gibt, die wir nicht selbst bewältigen können, kann die Frau umgehend in die Klinik verlegt werden. Dahin sind es ja nur wenige Meter. Wenn wir nach der Geburt der Meinung sind, das Kind sollte lieber von einem Arzt angeschaut werden, kommen die Ärzte aus der Klinik zu uns.

HEFTCHEN:

Und was ist bei einer Klinikgeburt anders?

DAGMAR BÜSSEMEIER:

In einer Klinik bestimmen viele äußere Faktoren das Geschehen. Wir setzen auf 1:1-Betreuung. Es gibt keine wechselnden Geburtshelfer, Hebammen oder Ärzte, sondern nur die Mutter und ihre Begleitung, eine Hebamme und natürlich das Kind. Durch die intensive Betreuung auch vor der Geburt wird ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, so dass es bei der Geburt eine ganz andere Atmosphäre gibt.

HEFTCHEN:

Wie schafft man das denn praktisch?

DAGMAR BÜSSEMEIER:

Wer bei uns entbinden möchte, muss sich relativ früh melden. Am besten um die 12. Schwangerschaftswoche herum. Vorher nehmen wir niemanden verbindlich an. In mehreren Gesprächen lernen die Eltern dann ihre Hebammen kennen. Wir teilen uns die Bereitschaftsdienste ein, so dass man nicht ganz genau weiß, welche Hebamme die Geburt begleitet. Jeweils drei Hebammen bilden aber ein Team, so dass man eine überschaubare Auswahl hat, wer dann tatsächlich Dienst hat, wenn es los geht. Und die Räume natürlich. Die kennt man dann schon und weiß genau, wo man hingeht.

Viele wissen gar nicht, dass Hebammen auch die Schwangerschaftsvorsorge übernehmen können. Das geht alternativ zu den Arztbesuchen oder auch abwechselnd mit den Gynäkologen. Das hängt aber von den Ärzten, den Frauen und natürlich vom Schwangerschaftsverlauf ab. Auf jeden Fall gehört Vorsorge zu unserem Berufsbild, und wir bieten sie im Geburtshaus an. Ebenso wie die Nachsorge natürlich, die kann die ganze Stillzeit über in Anspruch genommen werden. Dazu gehört dann auch noch die Ernährungsberatung bei der Umstellung von der Flasche zu Beikost und fester Nahrung.

HEFTCHEN:

Und wenn sich bei der Vorsorge herausstellt, dass die Geburt schwierig werden könnte?

DAGMAR BÜSSEMEIER:

Wir haben tatsächlich sehr strenge Kriterien, nach denen wir Frauen auch ablehnen müssen. Risikoschwangerschaften können wir nicht zur Geburt annehmen. Es wäre auch einfach Leichtsinn, absehbare Notfälle anzunehmen.

HEFTCHEN:

Neben den Geburten begleitet ihr Familien auch mit einem großen Kursangebot. Welche Angebote macht ihr?

DAGMAR BÜSSEMEIER:

Viele stoßen zum ersten Mal auf das Geburtshaus, wenn sie nach Geburtsvorbereitungskursen suchen. Das ist natürlich ganz klassisch ein Kurs, in dem man viele Fragen stellen kann und beantwortet bekommt. Es gibt aber auch Schwangerschaftsyoga, Rückbildungskurse, PEKIP, Babymassage… Einen Überblick bekommt man am besten auf unserer Homepage oder bei unseren Infovormittagen einmal monatlich samstags um 11 Uhr.

HEFTCHEN:

Warum hast du mit Kerstin das Geburtshaus gegründet? Was macht für dich deine Arbeit dort aus?

DAGMAR BÜSSEMEIER:

Ein Vater hat kürzlich in unseren Blog geschrieben, dass er jetzt, nach der Geburt seines Kindes bei uns, weiß, warum man auch sagt, dass Hebammerei eine Kunst sei. Das fand ich ein tolles Kompliment. Ich habe im Geburtshaus mehr Raum und auch die Eltern haben mehr Raum, um das zu tun, was sie tun wollen. Ich kann ihnen Zeit geben, mit ihrem Kind in Ruhe anzukommen. Das macht es für mich aus.

HEFTCHEN:

Vielen Dank, und wer mehr wissen möchte, der schaut am besten hier:



Weitere Informationen:

Geburtshaus Paderborn
Mallinckrodtstr. 58
33098 Paderborn
Tel.: 0160-8040156
info@geburtshaus-paderborn.de
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