Dermatologe Dr. Simon Strickling

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers, und so wundert es nicht, dass es auch eines der größten Themen ist, wenn es um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern geht. Weiterhin finden in der Küche oft die interessantesten Gespräche statt, die zu den besten Ideen führen. So ging es uns auch, als wir uns in der Redaktion an der Kaffeemaschine verquatschten und uns schlagartig klar wurde, wie viele Fragen, Halbwissen und Mythen uns zu Kindern und Haut einfallen. Wie gut, dass wir diese Seite machen dürfen, denn bestimmt geht es unseren Leserinnen und Lesern ebenso. Dr. Simon Strickling hat sich die Zeit genommen, diese umfassend zu beantworten. Und dabei kommen die großen Drei der Kinderhautgesundheit auf den Tisch: Neurodermitis, Warzen und Muttermale. Vor allem am schlechten Image der Warzen wird dabei heftig gekratzt.

Was macht der Hautarzt?

Hasenfenster

Sie wollten Tennisspieler werden und sind heute Hautarzt. Nun hätte ich gesagt, wenigstens ist die Farbe der Berufskleidung dieselbe, aber sie tragen hier in der Praxis Blau. Was hat Sie von ihrem ursprünglichen Vorhaben abgebracht und zur Medizin wechseln lassen? Warum haben Sie sich ausgerechnet für Dermatologie als Fachgebiet entschieden?

Dr. Strickling

Letztlich hat der Blick für die Realität mich eingeholt. Ich wollte nicht wirklich meine meiste Zeit auf einem Tennisplatz verbringen. Die Dermatologie gefällt mir am besten, weil sie ein so breites Fach ist. Das Spektrum dessen, weshalb unsere Patienten herkommen, ist sehr groß. Dabei ist in unserem Bereich noch immer der Blick des Arztes eines der wichtigsten Instrumente. Anders als in anderen Bereichen setzen Hautärzte eher wenig Apparatediagonstik ein. Gleichzeitig führen wir sehr verschiedene Behandlungen durch. Die Dermatochirugie gehört ganz wesentlich dazu.

Hasenfenster

Sie meinen das Entfernen von Muttermalen zum Beispiel? Das sind ambulante Eingriffe, die Sie vermutlich hier nebenan vornehmen?

Dr. Strickling

Vieles können wir hier in der Praxis durchführen. Aber das sind eben auch Operationen wie das Ziehen von Krampfadern, das Entfernen von Hauttumoren und – auch das gehört heute dazu – kosmetische Eingriffe wie Lidstraffungen oder Lippenplastik.

Hasenfenster

Auch eine schöne Idee für Muttertag so Schlauchbootlippen …

Dr. Strickling

Lippenplastik meint zum Beispiel das Rekonstruieren nach dem Entfernen von Lippentumoren oder eine Lidstraffung bei starken Schlupflidern. Die können nämlich durchaus nicht nur als unschön empfunden werden sondern ganz konkret das Sehvermögen beeinträchtigen.

Die Haupt-Haut-Themen bei Kindern

Hasenfenster

Ich hatte Ihnen ja bereits erzählt, dass mich die Unterhaltung mit meiner Kollegin auf den Gedanken brachte, dass Haut ein wichtiges Thema für Familien ist. Fast jeder hat dazu eine Erfahrung beizusteuern. Was sind denn die häufigsten Probleme, die Eltern mit ihren Kindern zu Ihnen führen?

Dr. Strickling

So breit das Feld der Dermatologie ist, so sehr begrenzt es sich bei Kindern. In der Regel sind es drei Auffälligkeiten, mit denen wir es hier zu tun haben: Neurodermitis, Warzen und Muttermale. Durchaus teilt sich ein spezieller Bereich der Kinderdermatologie in der Wissenschaft ab und es gibt ganze Wälzer über Hauterkrankungen bei Kindern, aber das sind doch eher sehr spezielle Fälle und seltene Erkrankungen.

Hasenfenster

Genau diese drei Themen stehen hier auch dick unterstrichen auf meinem Zettel. Lassen Sie uns doch der Reihe nach vorgehen. Was ist angeboren, was entwickeln Kinder? Oder anders gefragt, was kann man verhindern?

Dr. Strickling

Die meisten Hautmerkmale bei Kindern sind genetisch angelegt. Hautkrankheiten, die man entwickelt, zeigen sich in aller Regel erst im Erwachsenenalter.

Neurodermitis bei Kindern

Hasenfenster

Ich erinnere mich, dass Neurodermitis ein sehr großes Thema war, als unsere Kinder geboren wurden. Dazu habe ich viele Tipps und Warnungen gehört.

Dr. Strickling

Der Hauptrisikofaktor für Neurodermitis sind tatsächlich Eltern, die selbst unter Neurodermitis leiden. Auch dies ist eine genetisch angelegte Erkrankung und im Übrigen keine Allergie.

Hasenfenster

Aber was ist denn nun eigentlich genau?

Dr. Strickling

Neurodermitis entsteht durch Gene, die Fehler in bestimmten Strukturproteinen der Haut bewirken. Dadurch kommt es zu erhöhtem Fett- und Wasserverlust. Die natürliche Regulierung der Haut wird gestört und sie trocknet, je nach Ausprägung, übermäßig aus. Dabei gehört Neurodermitis zu den atypischen Erkrankungen, das heißt, sie kann sich auch auswachsen oder aber auch verändern. Recht häufig verschwindet die Neurodermitis bei Kindern und wandelt sich zu Heuschnupfen oder Asthma. Im Alter dann bekommen diese Menschen oft Trockenheitsexzeme, die letztlich wieder auf eine angeborene Neurodermitis zurückzuführen sind, denn die Neigung zu trockener Haut behält man sein Leben lang.

Hasenfenster

Dann kann man also eigentlich nix richtig oder falsch machen, sondern muss es so hinnehmen.

Dr. Strickling

Man kann einer Neurodermitis nicht vorbeugen, eine Prophylaxe ist kaum möglich. Natürlich macht es aber einen großen Unterschied, wie man auf die Symptome reagiert.

Hasenfenster

Bevor wir über die Behandlung sprechen, wüsste ich gerne noch, wie man Neurodermitis erkennt und von einer bloß trockenen Haut unterscheidet.

Dr. Strickling

Beim Verdacht sollte man das Hautbild von einem Arzt begutachten lassen, um Gewissheit zu bekommen. Neurodermitis zeigt sich durch eben sehr trockene und oft juckende Hautstellen vor allem an den Gelenken, im Gesicht und an den Armen. Die so geschädigte Haut verfügt über keine intakte Abwehr mehr und ist deshalb anfälliger für Bakterien, die Entzündungen hervorrufen. Auch Viren können besser in die Haut eindringen und dort Schaden anrichten. Diese Patienten bilden somit auch häufiger Dellwarzen aus.

Hasenfenster

Über Warzen werden wir gleich auf jeden Fall noch zu sprechen haben. Wie geht man aber nun mit Neurodermitis am besten um?

Dr. Strickling

Dabei muss man beobachten, wie sich die Symptome ausprägen. Hat das Kind trockene Haut ohne Entzündungen genügt es eigentlich, wenn man viel Wert auf Rückfettung legt und weiteres Austrocknen vermeidet. Man cremt also mit rückfettenden Produkten regelmäßig ein und reduziert das Baden und Duschen auf ein- bis zweimal pro Woche. Wasser entzieht der Haut nämlich zusätzlich Feuchtigkeit, und das will man ja verhindern. Beim Baden und Duschen benutzt man dann am besten wieder fettreiche Badezusätze und Duschöle. Wenn sich die Haut aber entzündet hat, reicht eine sorgfältige Pflege nicht mehr aus. Häufig liegt das Problem in der Teufelsspirale aus Entzündung – Jucken – Kratzen – Entzündung, die man durchbrechen muss. Dann führt der Weg auf jeden Fall zum Arzt, der mit Medikamenten helfen kann.

Hasenfenster

Wenn Sie sagen, dass Neurodermitis ein Leben lang bleibt, auch wenn man vielleicht gerade keine oder andere Symptome als trockene Haut ausbildet, sollte man vermutlich durchgehend besonderen Wert auf Hautpflege legen.

Dr. Strickling

Das ist zu empfehlen. Es gilt: Rückfetten und Feuchtkontakte vermeiden.

Hasenfenster

Wie verhält es sich denn damit bei Menschen ohne Neurodermitis? Man hört ja generell, dass zu viel Baden und Duschen der Haut eher schadet als nutzt?

Dr. Strickling

Generell sind zu viele Feuchtkontakte nicht gut für die Haut, aber eine gesunde Haut kann den Feuchtigkeitsverlust besser wieder ausgleichen. Für hautgesunde Kinder empfehle ich dennoch, nicht jeden zweiten oder dritten Tag zu baden oder zu duschen.

Hasenfenster

Und das gilt für Säuglinge ebenso wie für Erwachsene?

Dr. Strickling

Ja, das gilt generell.

Hasenfenster

Und wie lautet Ihre Empfehlung bei Rückfettung von gesunder Haut? Besser viel cremen? Oder ist das vielleicht sogar gerade falsch, weil man dann der Haut abgewöhnt, selbst für ihren Feuchtigkeitshaushalt zu sorgen? Was ist der richtige Badezusatz? Oder lässt man den bei Babys sowieso am besten weg? Sie sehen, es herrscht große Unsicherheit…

Dr. Strickling

Gesunde Haut muss nicht eingecremt werden, es sei denn, sie spannt und fühlt sich trocken an: das kommt zum Beispiel im Winter gerne vor. Die Haut produziert genug Proteine und Schutzstoffe. Allerdings gibt es auch keinen Gewöhnungseffekt, der dies stören würde, wenn man sich gerne eincremt. Für Badezusätze gilt das Gleiche, am besten benutzt man rückfettende Produkte. Kranke Haut, wie bei Neurodermitis, braucht aber eben gute und qualitative Unterstützung.

Neurodermitis und Ernährung

Hasenfenster

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Neurodermitis und Ernährung? Ich habe gehört, Zitrusfrüchte seien ganz schlecht für Neurodermitis-Patienten?

Dr. Strickling

Grapefruit und ähnliche Früchte können zu Hautverschlechterung führen. Das gilt aber für Erwachsene. Man beobachtet, dass Kinder mit Neurodermitis häufig auch an Nahrungsmittelallergien leiden. Das kann für Eltern ein Hinweis sein, wenn sie etwa beobachten, dass sich das Hautbild nach dem Verzehr von Hühnereiweiß oder Kuhmilch verschlechtert. Das ist allerdings eher selten und eben nur ein Symptom, keine Ursache. Generell wird die Nahrungskomponente bei Neurodermitis von Kindern überschätzt. In erster Linie ist es eine genetische Erkrankung, aber den Eltern fällt es verständlicherweise schwerer, das zu akzeptieren. Lieber wäre ihnen natürlich, man könnte einen klaren Feind ausmachen und ausschalten.

Hasenfenster

Warum aber wird dann gerade im Zusammenhang mit Neurodermitis Stillen so sehr empfohlen?

Dr. Strickling

Stillen bis zum 3. bis 6. Lebensmonat wirkt protektiv. Warum genau das so ist, weiß man nicht, geht aber davon aus, dass es an den Antikörpern liegt, die von der Mutter aufs Kind übergehen und eben auch die Hautabwehr stärken können.

Warzen bei Kindern

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Sprechen wir über das nächste Phänomen. Warzen. Wahrscheinlich jede Familie plagt sich damit mehr oder weniger häufig herum. Was ruft diese hervor und warum kommen die so oft vor?

Dr. Strickling

Man unterscheidet vor allem vier Arten von Warzen: Dellwarzen (die man auch Schwimmbadwarzen nennt und die als kleine Knubbel am Körper erscheinen), Dornwarzen (bei denen meistens am Fuß sich viele Hornhautschichten um einen sogenannten Dorn legen), Handwarzen (die sind stark zerklüftet und verhornt) und Flachwarzen im Gesicht. Warzen sind nichts anderes als Virusinfektionen. Bei Kindern hat man es vor allem mit Dorn- und Dellwarzen zu tun. Jedes Kind bekommt im Laufe seines Lebens Warzen, und das ist sogar sehr wichtig! Warzen stärken das Immunsystem und machen es kompetent für die Virenabwehr.

Hasenfenster

Wir sollten also Warzen nicht als Feinde, sondern als Freunde betrachten und aufhören, sie zu bekämpfen? Das ist aber bei mir gerade Umdenken gefragt…

Dr. Strickling

In der Regel sind Warzen selbstlimitierend, was bedeutet, dass sie irgendwann spontan wieder zurückgehen. Das kann allerdings Wochen, Monate, manchmal sogar Jahre dauern. Das muss man aushalten. Wenn sie allerdings beginnen, sich rasant auszubreiten oder Schmerzen verursachen, sollte man sie behandeln.

Hasenfenster

Schön ist ja nun was anderes. Gerade die Dornwarzen sitzen am Fuß und tun beim Laufen weh.

Dr. Strickling

Oft gar nicht, und wenn sie keine Probleme machen, rate ich den Eltern dazu, erstmal abzuwarten und zu beobachten. Die Alternative ist eine langwierige und aufwändige Behandlung. Man muss immer wieder aufweichen und die aufgeweichten Warzenschichten mit Nagelschere, Bimsstein oder sogar einer Rasierklinge vorsichtig abtragen. Das dauert und ist nicht immer erfolgsversprechend. Ebenso heißt das Ausschälen einer Dornwarze nicht, dass man sie los ist. Man kann auch Vereisen, was wir hier in der Praxis auch ohne Termin zwischendurch erledigen, aber auch das ist ein langwieriger Prozess ohne Erfolgsgarantie.

Hasenfenster

Aber die Vorstellung, dass man das ungeliebte Ding einfach wegschneidet, ist schon sehr anschaulich und überzeugend.

Dr. Strickling

Ja, aber es handelt sich um eine Viruserkrankung. Entfernt wird nur der Dorn, der Virus kann aber auch an anderer Stelle noch in der Haut sitzen und eine neue Warze ausbilden.

Hasenfenster

Stimmt es denn, dass Warzen ansteckend sind und man deshalb bespielweise nicht mit Warzen ins Schwimmbad soll?

Dr. Strickling

Das ist richtig, aber ich handhabe das nicht so streng. Wenn man bedenkt, dass so viele Kinder und so oft Warzen haben, wären die Schwimmbäder leer. Auch hier erinnere ich daran, dass Warzen nichts Schlimmes sind.

Hasenfenster

Es fällt mir schwer, mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass man bei Warzen gegebenenfalls auch jahrelang abwarten soll, wenn sie „nur“ blöd aussehen und nicht mehr werden.

Dr. Strickling

Bei Dellwarzen würde ich auch nicht so lange warten. Wenn die nach sechs Wochen noch nicht verschwinden, würde ich  eingreifen. Das aber vor allem deshalb, weil man sie im Gegensatz zu Dornwarzen so leicht und meistens narbenfrei entfernen kann.

Hasenfenster

Dellwarzen sind ja auch erhaben, Dornwarzen liegen in der Haut.

Dr. Strickling

Genau. Dellwarzen entfernen wir hier in der Praxis. Die Stellen werden mit Betäubungscreme bestrichen und mit einer Ringkürette rausgezogen. Die ploppen richtig raus. Wenn man Glück hat, erwischt man dabei einen Herd, so dass die anderen von selbst verschwinden. Manchmal kommen aber auch diese wieder. Früher oder später heilen sie auch von selbst ab. Die Eltern sind ganz besorgt, wenn Dellwarzen sich entzünden, aber auch das ist ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass das Immunsystem sie abwehrt.

Muttermale bei Kindern

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Warzen gehören also zumindest temporär zum Hautbild dazu. Wie ist es mit Muttermalen? Wann tauchen die eigentlich auf und warum werden das im Laufe des Lebens immer mehr?

Dr. Strickling

Ganz selten kommen Kinder schon mit Muttermalen zur Welt, aber auch das kommt vor. Meistens beginnen sie sich nach ein paar Wochen zu zeigen. Das verläuft bei jedem unterschiedlich. Auch hier sind genetische Anlagen maßgeblich. Bei Kindern haben wir es fast ausschließlich mit angeborenen Muttermalen zu tun. Erworbene, darunter solche, die Hautkrebs ausbilden, gibt es bei Kindern praktisch nicht. Weißer Hautkrebs wird im Alter durch die angesammelte UV-Strahlung im Leben ausgelöst. Das betrifft Kinder also in aller Regel nicht. Schwarzer Hautkrebs kann die Folge von Sonnenbränden sein, bei dem Muttermale entstehen, die dann später zu Hautkrebs werden. Auch das ist bei Kindern extrem selten.

Hasenfenster

Manchmal liegen die Muttermale aber an ungünstigen Stellen oder werden immer wieder aufgekratzt oder aufgescheuert.

Dr. Strickling

Auch das ist übrigens nicht schlimm, wenn es nicht zu Entzündungen führt. Die Patienten machen sich oft Sorgen, dass aus aufgekratzten Muttermalen Hautkrebs entstehen könnte, dem ist aber nicht so. Es liegt schon im Muttermal, ob es zu Krebs wird oder nicht. Aber aus den genannten Gründen werden auch bei Kindern manchmal Muttermale entfernt. Jedes entfernte Muttermal wird eingeschickt und untersucht – zur Vorsicht.

Der richtige Sonnenschutz für Kinder

Hasenfenster

Sonne ist also eher mit Vorsicht zu genießen? Was ist der richtige Sonnenschutz für Kinder?

Dr. Strickling

Ein häufiger Risikofaktor für späteren schwarzen Hautkrebs sind tatsächlich Sonnenbrände in der Kindheit. Daher ist Vorbeugen Pflicht! Kinder gehören nicht in die sommerliche Mittagshitze – egal wie. Bei der Wahl des Sonnenschutzes für Kinder sollte man einen physikalischen Filter wählen. Darin sind Oxide enthalten, die wie Spiegel die Sonne reflektieren. Wichtig sind außerdem UVA- und UVB-Filter und Sofortschutz. Außerdem würde ich wasserfeste Produkte wählen und auf Duft- und Konservierungsstoffe verzichten.

Hasenfenster

Man kennt das, sein Kind vor der Kita oder vor der Schule noch einzucremen, aber wann muss man nachlegen?

Dr. Strickling

Sonnenschutz hält schon ein paar Stunden, aber auch wasserfester Schutz muss nach dem Baden erneuert werden. Ansonsten würde ich im Hochsommer morgens und mittags eincremen.

Hasenfenster

Wie reagiert man, wenn es doch zum Sonnenbrand kommt?

Dr. Strickling

Vor allem Kühlen und mit antientzündlicher Salbe behandeln. Mein früherer Chef und Lehrer riet immer zum stärksten Cortisonpräparat, damit die Entzündung aus der Haut genommen wird. Und dann viel rückfetten.

Akne als genetisches Pech

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Einen habe ich noch: Akne. Das ist wahrscheinlich auch genetisches Pech?

Dr. Strickling

Auch hier gibt es eine genetische Prädisposition. Die Jugendlichen entwickelt Sexualhormone, die die Talgdrüsen stimulieren, so dass sich vor allem im Gesicht, aber auch im Dekolleté und am Rücken Pickel bilden.

Hasenfenster

Aber da sagen Sie mir jetzt nicht, dass man das einfach aushalten muss, weil es irgendwann von selbst weggeht? In dem Alter hat man doch oft auch so genug zu ertragen …

Dr. Strickling

Könnte man aber auch abwarten. Allerdings gilt es bei Akne, vor allem die Narbenbildung zu verhindern. Wenn sich das Hautbild also extrem verschlechtert und man womöglich obendrein die Tendenz zum Knibbeln hat, sollte man eingreifen. Bei einer mittelschweren Akne wird man dann eben eine systemische Behandlung beginnen, auch wenn diese durchaus Nebenwirkungen hat. Dabei arbeitet man mit Cremes oder auch Tabletten, bei denen Vitamin-A-Abkömmlinge die Haut austrocknen. Eine Nebenwirkung ist natürlich trockene Haut, aber die will man in diesem Fall auch erreichen.

Hasenfenster

Wovon hängt die Vernarbung ab?

Dr. Strickling

Das liegt an der Tiefe der Akne und eben daran, ob man manipuliert, also knibbelt…

Hasenfenster

Zum Schluss hat mir meine Kollegin noch eine sehr allgemeine Frage mit auf den Weg gegeben: Was ist denn der Kapitalfehler, das größte No-Go? Was kann man mal so richtig von vorne bis hinten falsch machen bei der Hautpflege – von Kindern und allgemein?

Zu viel Pflege tut nicht gut

Dr. Strickling

Hm … der größte Fehler ist zu viel Pflege. Gesunde Haut braucht nicht viel und vor allem nicht ständig neue Mittelchen. Gerade junge Mädchen probieren gerne rum, aber das tut der Haut nicht gut, wobei es wohl eher ums Experimentieren und die Rituale geht als um sinnvolle und gute Pflege. Gerade für fettige Haut ist weniger oft mehr. Allerdings benötigt trockene Haut oder neurodermitische Haut sehr wohl Unterstützung und den Verzicht auf zu viele Feuchtkontakte.

Hasenfenster

Ich nehme aus unserem Gespräch vor allem mit, dass man seiner Haut wohl mehr zutrauen muss. Und ich werde versuchen, Warzen in Zukunft mit mehr Dankbarkeit zu betrachten. Vielen Dank für Ihre Zeit und diese Erkenntnisse!

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