Lippisches Landesmuseum Detmold – Sammlung zur Naturkunde

Zu viel für nur einen Besuch

Ab über den Berg nach Lippe führte uns der erste Ausflug des Jahres. In fünf teils historischen, teils modernen Gebäuden erstreckt sich das Lippische Landesmuseum mitten im historischen Stadtkern von Detmold und idyllisch gelegen in direkter Nachbarschaft zum Landestheater und zum Schloss. Wir besuchten vor allem die Abteilung für Naturkunde in der Mittelmühle, die auch den ursprünglichen Kern des Museums bildete. Den Haupteingang findet man im Neubau von 1997 am Museumsgraben, wo auch der lohnende Museumsshop und eine kleine Getränkebar untergebracht sind. Außerdem wechseln sich hier spannende Sonderausstellungen ab. Vom Museumsgraben aus gelangt man auch in fast alle weiteren Museumsteile. Völkerkunde, Ur- und Frühgeschichte sind im Haus Ameide, einem großen Fachwerkbau, untergebracht. Ameide ist übrigens auch die Anschrift des Museums und dem Vernehmen nach benannt nach einem früheren Landbesitz des lippischen Fürstentums in den Niederlanden. Im Kornhaus geht es um Landesgeschichte, Trachten, Mode und Kunst. Dort kann man beispielsweise das besterhaltene Kinderkleid seiner Epoche bewundern, ein Gewand der Gräfin Katharina zur Lippe aus dem Jahr 1600. Exponate zum Mythos der Varusschlacht und zum Möbeldesign sind in der Zehntscheune ausgestellt.

Von bedrohten und ausgestorbenen Tieren

1835, als man das Museum gründete, wollte man auch der Allgemeinheit Zugang zu Bildung verschaffen und erbat in aller Welt von privaten Sammlern und Exil-Detmoldern Exponate für die Ausstellung. Seitdem ist das Archiv des Museums beachtlich angewachsen und so ist es randvoll mit spannenden Dingen, die obendrein ansprechend und interessant aufbereitet wurden.

Im Wesentlichen erkundeten wir die Ausstellung zur Naturkunde. Zusammen mit der Archäologin Melanie Delmer-Hornemann machten wir uns auf die Suche nach bedrohten und ausgestorbenen Tieren. Und wir begannen ziemlich weit am Anfang: In der Fossilien-Ausstellung lernten wir Ammoniten und Donnerkeile ebenso kennen wie Archäopteryx und Nautilus. Riesige Urviecher wurden da heraufbeschworen, bei denen man ehrlicherweise erleichtert ist, dass die längst ausgestorben sind. Mit Gips und Formen durften wir dann auch selbst Fossilien gießen, die dann in Ruhe aushärten konnten, während wir uns weiter durchs Museum vorarbeiteten.

Im Naturalienkabinett begegneten wir einigen der ersten Stücke der Ausstellung und zugleich der für uns heute zum Teil schrullig anmutenden Neugier, die das Museum einst vorantrieb. Man sieht hier bunt nebeneinander Tierpräparate aus aller Welt. Aus heutiger Sicht sind Collagen aus Käfern, Schmetterlingen und Spinnen ästhetisch eher fragwürdig, doch im Zeitalter der großen Entdecker wie Alexander von Humboldt schmückte man sein Heim und eben sein Museum gerne mit möglichst exotischen Ausstellungsstücken. Einige der Tiere, die man hier noch sehen kann, sind die letzten Zeugen ihrer Art. Das braun-gestreifte Burchell-Zebra beispielsweise wurde längst ausgerottet.

Von den ausgestorbenen Tieren ging es für uns weiter zu den bedrohten Tieren in aller Welt. Viele davon kann man im Panorama-Raum im Keller des Hauses entdecken, wie das Fingertier aus Madagascar oder die südamerikanische Mähnenrobbe. Eine große Weltkarte am Boden zeigt, wo die einzelnen Tiere zu Hause sind und auf Bildschirmen kann man mehr von ihnen erfahren oder sich anhören, welch beeindruckende Laute sie von sich geben (nicht verpassen: den Koala-Ruf). Eine Etage höher findet sich ein entsprechender Schaukasten für heimische oder zumindest heimischere Tiere wie Wildschwein, Luchs, Braunbär und sogar Elch. Dort lassen sich in einer Fühlwand auch ein Maulwurf streicheln oder der Futtervorrat eines Eichhörnchens begreifen.

Die längste ausgestellte Blitzröhre der Welt

Auf dem Weg zurück zu unseren Gips-Fossilien und vorbei an den leuchtenden Gesteinen bestaunten wir noch die längste in einem Museum ausgestellte Blitzröhre der Welt. Ein solcher Fulgurit entsteht, wenn ein Blitz in Quarzsand einfährt und dort durch seine Hitze diesen Glasrohstoff zu Glas schmelzen lässt. Dieser Blitzabdruck nimmt im Lippischen Landesmuseum fast die ganze Höhe des Treppenhauses ein.

Mumien

Im Haupthaus sahen wir uns anschließend bei diesem ersten Besuch nur ein paar Highlights an, nämlich die Mumien. Davon gibt es eine ägyptische mitsamt Sarkophag und drei aus der näheren Umgebung. Den immer noch großen Rest der Ausstellung hoben wir uns für den nächsten Besuch auf und den übernächsten und den …

ELTERNMEINUNG

Ungeahnte Schatzkammer

Bei dem ein oder anderen Ausflug nach Detmold waren wir schon mal am Lippischen Landesmuseum vorbeigebummelt und wussten aber nicht so recht, was sich dahinter eigentlich verbirgt. Es war also höchste Zeit, das zu ändern. Und, ehrlich gesagt, hätte keiner von uns erwartet, dass sich so viel und eine so vielfältige Sammlung darin findet. Im Gegensatz zu vielen Ausflügen, die wir schon als Testteam gemacht haben, kann man sich hier ebenso gut vorstellen, das Museum auf eigene Faust zu erkunden und dabei viel Spaß zu haben und viel zu lernen. Dazu gibt es neben der gut gegliederten und informativ gestalteten Ausstellung spezielle Entdecker-Apps und ein eigens aufgelegtes Kinderbuch, das das Abenteuer einer kleinen Mumie im Museum erzählt. Die Original-Schauplätze der Geschichte kann man dann im Gebäude wiederfinden.

Spiel und Spaß aus allen Epochen

Und doch ist es natürlich unbedingt lohnenswert sich eines der museumpädagogischen Angebote herauszusuchen. Es gibt neben Sonderführungen auch Angebote für Kindergärten und Schulklassen oder auch Kindergeburtstage. So abwechslungsreich wie das Museum selbst, ist dabei auch das Angebot: „Spiel und Spaß aus allen Epochen“ eben. Unser Rundgang mit Melanie Delmer-Hornemann war spannend und unterhaltend zugleich. Es ist eben einfach ansteckend, wenn jemand das Thema selbst spürbar interessant findet. Die breite Vielfalt des Museums beeindruckt besonders, ein Museum für alle Epochen und viele Interessen eben: Geschichte, Archäologie, Kunst, Naturkunde, Design…

KINDERMEINUNG

Abenteuer Igel streicheln

Unserer Führerin gelang es, Erwachsene und Kinder gleichsam zu begeistern. Paula und Milla (beide 7 Jahre), Jannis (8 Jahre), Julius (11 Jahre) und Erik (12 Jahre) verbrachten ihren Ferientag diesmal als Testteam. Auch wenn es den Großen natürlich leichter viel, alles zu verstehen, schon weil nicht so vieles für sie neu war, folgten auch die jüngeren Kinder interessiert und gebannt. Wann hat man auch schon die Gelegenheit, mit einer Hand einen Igel und mit der anderen einen Maulwurf zu streicheln? Und auch wenn Uneinigkeit herrschte, was sich schöner anfühlt, bekam man eine Ahnung davon, warum Igel nicht nennenswert wegen ihres Fells gejagt wurden.
Spürbar nahm Frau Delmer-Hornemann die Kinder ernst und hatte keine Mühe, sich mit ihren Erklärungen auf sie einzulassen. Sie brachte sie dazu, die richtigen Fragen zu stellen („Wieso sind die Fossilien aus Stein, wenn doch Tiere gar nicht aus Stein sind?“) und regte sie zum Mitdenken an, so dass ihre Fragen an die Gruppen nicht ohne Antwort verhallen mussten. Kleine Geschichten, wie die vom Wildschein, das zum Sprengstoffschnüffler wurde, lockerten auf und blieben den Kindern besonders in Erinnerung. Alles wurde sehr anschaulich und fassbar, wenn beispielsweise Gummitiere passend zu den Fossilien zeigten, wie das Tier denn mal ausgesehen hat. Überhaupt ging es viel um Zusammenhänge. Das
Programm „Von bedrohten und ausgestorbenen Tieren“ schlägt eine Brücke von der Vergangenheit, als Tiere noch durch Naturgewalten ausstarben oder aus Unwissenheit ausgerottet wurden, hin zur Gegenwart, in der die Menschen sie wider besseren Wissens durch Jagd oder auch Umweltsünden existentiell und in ihrer Art bedrohen. Die Kinder nahmen auf jeden Fall den Appell mit, dass auch ihnen dieser Planet gehört und sie ruhig die Erwachsenen dazu ermahnen sollen, diesen für sie zu erhalten. Hoffnungsvoll stimmten dabei Geschichten wie die vom australischen Eulenpapagei, dessen Population sich durch gezielte Maßnahmen langsam erholen kann oder die Neuigkeiten, dass sich verloren geglaubte Tiere wie Luchs oder Wolf auch wieder in deutsche Wälder vorwagen.

Wenn die Kinder schon nach dem ersten Raum fragen, ob wir uns den nochmal in Ruhe anschauen, und nach dem zweiten und dritten wieder, und wenn sie schon auf dem Heimweg wissen wollen, wann wir wiederkommen, dann muss es ein richtig guter Ausflug gewesen sein, den wir noch mit einer Pizza abrundeten.

Auf der Fahrt hörten wir uns übrigens passend zum Thema aus der Reihe ABENTEUER UND WISSEN (Head Room Verlag) die Folge zu Mary Anning und ihre Fossilienfunde an.

Zum Lippischen Landesmuseum.

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