Zecken und Insektenstiche

Dr. med. Klaus-Dieter Remmert, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Neuropädiatrie, hat unsere Fragen zum Thema „Insektenstiche und Zeckenbisse“ beantwortet. Auf dass wir alle ohne beides gut durch den Sommer kommen, und wenn uns dann doch was erwischt, richtig damit umgehen!

  1. Wie vermeidet man Zeckenbisse?

Wenn die Kinder in Garten, Feld, Waldrand, Büschen und an Bachläufen ihrer Abenteuerlust nachgehen können, treffen sie auch unweigerlich auf den Lieblingslebensraum der Zecken. Einen sicheren Schutz vor Zecken gibt es daher nicht. Um Zeckenbisse aber möglichst zu vermeiden, sollten die Kinder aber geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen tragen. Dabei soll helle Kleidung besser sein als dunkle, weil man dann die Zecken noch vor einem „Stich“ erkennen und entfernen kann. Außerdem lange Socken, feste Schuhe. Da die Kleiderordnung gegen Zecken aber nur selten mit denen der Kinder in Einklang zu bringen ist, ist der beste Schutz immer noch das allabendliche Absuchen nach Zecken. Die Zecke mag gern warme, dünne und feuchte Hautstellen zum Einstich, deshalb sollten insbesondere Kniekehlen, Leistengegend, Hals, Kopf (vor allem hinter den Ohren) und der Bauchnabel von den Eltern inspiziert werden. Insektenabweisende Mittel helfen nur kurz und bieten auch keinen sicheren Schutz gegen Zecken.

  1. Wie erkennt man einen Zeckenbiss?

Zunächst einmal nur daran, dass eine Zecke sich auf oder in der Haut befindet. Vor der Mahlzeit sind die Zecken 2-3 mm groß, Kopf und Mundwerkzeuge befinden sich beim Andocken in der Haut, die 8 Beine und der Hinterleib sind sichtbar. Nach der Blutmahlzeit kann die Zecke 5 -10 mm groß werden.

Wenn die Zecke mit Borrelien befallen war (bei nur ca. 10 % der Fall), ist es möglich, dass man nach 2-6 Wochen an der „Bissstelle“ eine sogenannte Wanderröte entdeckt. Dann ist eine antibiotische Behandlung für 10- 14 Tage erforderlich, eine Bestimmung von Borrelienantikörpern im Blut ist aber überflüssig. Nur ein sehr kleiner Teil derer, die gebissen werden, erkranken auch wirklich (nur 1-5 %).

  1. Die Zecke soll ja dann auf jeden Fall raus. Wie macht man das am besten, oder geht man sowieso am besten zum Arzt?

Das wichtigste überhaupt ist, die Zecke schnell zu entfernen oder entfernen zu lassen, je nach Mut und Erfahrung. Der Zeckenkopf hat keine Gewinde, deshalb ist es völlig unnötig, die Zecke herauszudrehen, egal ob rechts oder linksrum. Am besten nimmt man eine Pinzette, zur Not auch die Fingernägel von Daumen und Zeigefinger, greift die Zecke hautnah und zieht sie langsam heraus – man muss der Zecke Zeit lassen, damit sie die Widerhaken in ihrem Kauwerkzeug wieder einfahren kann. Außerdem sollte man auf Öle, Nagellackentferner, Alkohol, Klebstoffe oder ähnliches verzichten, um die Zecke nicht unnötig zu stressen. Wenn Zecken innerhalb der ersten 24h entfernt werden, geht das Risiko einer Erkrankung an Borreliose gegen Null, da erst danach die Zecke mit ihrer Blutmahlzeit beginnt. Die Übertragung einer anderen Erkrankung, der FSME (Frühsommermeningoenzephaliitis), beginnt direkt nach einem Zeckenstich. Die FSME kommt in unserer Region jedoch (noch) nicht vor. Schützen kann man sich nur durch eine Impfung; dies sollte man bei einem Aufenthalt in einem Risikogebiet, wie z.B. dem Bayrischen Wald bedenken.

  1. Kann man auch Insektenstiche vermeiden?

Na ja, da gilt ähnliches wie bei Zeckenbissen: Lange Kleidung tragen, festes Schuhwerk, Feuchtgebiete meiden, dunkle Kleidung meiden. Zusätzlich hilfreich ist es, Essen und Getränke abzudecken, Türen und Fenster mit Fliegengittern abzudichten. Auch Duftkerzen, Aromen und ähnliche Hausmittel können zur Insektenabwehr hilfreich sein. Aber andererseits locken Parfüm oder andere Kosmetika Insekten an. Hektische und schlagende Bewegungen oder das Anpusten der Insekten sollte unterlassen werden.

  1. Gibt es richtig gefährliche Insektenstiche?

In unserer Region gibt es, abgesehen von allergischen Reaktionen (die dann einer entsprechenden Notfallbehandlung bedürfen), keine wirklich gefährlichen Insektenstiche. Malaria durch nachtaktive Anophelesmücken oder die tagaktive Asiatische Tigermücke, die als Überträger von Krankheiten wie Chikunguya und Dengue-Fieber für den Menschen bedeutsam sind, sind trotz Globalisierung und Klimaerwärmung bei uns noch kein Thema, obwohl 2007 schon mal Tigermücken auf einer Autobahnraststätte in Baden-Württemberg gefunden wurden J.

  1. Was ist eine sinnvolle Erstversorgung von Insektenstichen, wenn sie jucken oder eben auch – wie bei Wespen – richtig weh tun,

Wichtig ist es, zunächst die Einstichstelle zu kühlen (Eispad, Kühlakkus, Eiswürfel usw.), Spucke auf die Einstichstelle oder den Biss zu tupfen, kann ebenso hilfreich sein Es gibt eine Reihe medizinischer und chemischer Hilfsmittel, die wirksam sind, um die beim Stich einsetzende Histaminfreisetzung des Körpers, die für Schwellung, Rötung und den Juckreiz bedeutsam ist, einzudämmen. Auch das Bedecken der Einstichstelle mit einer aufgeschnittenen Zwiebel als Hausmittel hat vielen schon geholfen, nicht weiter zu kratzen und damit noch mehr Histamin freizusetzen.

  1. Gibt es sie wirklich, die gefürchtete Südstadtmilbe?

Ja, es gibt sie – in der Südstadt und in anderen Stadtgebieten, immer da, wo es Gärten und schöne Rasenflächen hat. Trombicula autumnalis-Larven heißen die Plagegeister, die sich vor allem im Spätsommer an Gräsern, Sträuchern, Buchenhecken und Bäumen befinden. Durch den Biss löst ihr abgesonderter Speichel stark juckende Hautveränderungen aus, vorzugsweise an den Unterschenkeln, im Gürtelbereich und im Bereich anliegender Kleidung, weil die Trombidien dort nicht weiterkommen. Die Larven bleiben aber nur kurz auf der Haut. Symptomatisch helfen Kühlen und juckreizstillende Mittel.

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