Ein Campingausflug mit „Fernwehbullis“

Gleich vorweg ein wichtiger Warnhinweis: Das Lesen dieses Ausflugstests kann schlimmes Fernweh auslösen, gefolgt von großem Reisefieber. Wer also gerade den Sommerurlaub hinter sich hat, wird fast unweigerlich die nächste Reise planen! Zwei Familien durften nämlich das Angebot der „Fernwehbullis“ ausprobieren. Seit vier Jahren vermietet Arkadius Byczek drei verschiedene Fahrzeugmodelle für kleine und große Reisen und man merkt ihm an, dass er aus Überzeugung seine Leidenschaft für Bullis mit anderen teilt.

Wie wir erfahren konnten, haben viele Leute ganz besondere Bulli-Geschichten zu erzählen, die viel mit Kindheit und perfekten Ferien zu tun haben. Arkadius Byzceks Geschichte ist die, dass er im Studium mit Freunden einen Bulli repariert und überholt hat, so dass sie damit auf Reisen gehen konnten. Seitdem hat ihn die Liebe zu diesen freundlichen Gefährten ganz offensichtlich nicht mehr losgelassen. Zur Auswahl stehen in seiner Halle in Scharmede aktuell der T3 Club Joker, der T4 California und der T6 California.  Irgendwann soll die Reihe noch mit weiteren Modellen der Baureihe vervollständigt werden.

Wohl nicht zuletzt, weil sie einen scheinbar freundlich anlächeln, sind die Bullis so beliebt, und darüber hinaus haben sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch sowas wie Persönlichkeit. Dem wird die Homepage sehr gut gerecht, auf der alle Modelle mit Namen und Beschreibung vorgestellt werden.

Für unseren Test durften wir die Rote Bavaria (T3 Club Joker) und die Queen (T6 California) mitnehmen. Gleich soviel vorweg: So sehr wurden wir um unsere Testaufgabe wohl selten beneidet!

Sylvia, Dirk, Flynn (6 Jahre) und Rocco (4 Jahre)

Die Rote Bavaria, die auch bereits in der WDR-Sendung „Wunderschön“ einen Auftritt hatte, verspricht „Entschleunigung von der ersten Minute an“.  Und dem kann unsere Testfamilie nur zustimmen, das aber ganz und gar positiv gemeint. Man muss sich einlassen auf eine Zeitreise in die 1980er Jahre mit rot-karierten Stoffgardinen, Schaltknüppel-Abenteuer und so ganz ohne Zentralverriegelung, Licht-Automatik oder sonstigen Schnickschnack.

ELTERNMEINUNG

Gleich als die Schiebetür sich öffnete, schlug uns der typische Geruch der Autos unserer Kindheit entgegen. Diese unvergessliche Mischung aus Leder, Linoleum und einem Hauch Öl vielleicht. Man war gleich wieder klein und ehrfürchtig, aber diesmal durften wir nicht nur vorne sitzen, wir durften sogar ans Steuer! Da musste man sich zunächst ein bisschen zurechtfinden, weil die Gänge anders liegen und auch sonst einiges am Anfang ungewohnt daherkommt. Aber nach der gründlichen Einführung von Arkadius waren wir bestens vorbereitet. Sobald die Tür wieder zu war und die Fahrt losging, stellte sich das Urlaubsfeeling ein. Schon nach kurzem genießt man einfach den Ausblick vom erhöhten Fahrersitz und lässt sich nur allzu gerne anstecken von der Ruhe, mit der dieses Auto durch die Landschaft zuckelt. Wir würden ihn nicht empfehlen, um schnell Strecke zu machen. Wer aber auf der Landstraße die Gegend an sich vorbeiziehen lassen und sie dabei noch wahrnehmen und genießen möchte, der ist hier goldrichtig. Auch auf den hinteren Plätzen hat man jede Menge Beinfreiheit und große Fenster. Überhaupt ist der Bulli ein echtes Raumwunder mit ausreichend Platz, um es gut und gerne zu viert darin und drum herum auszuhalten. Zur Ausstattung gehören eine Kiste mit Kochutensilien und Geschirr und Campingmöbel mit sehr praktischen Extras wie Getränkehaltern. Wer länger unterwegs sein möchte, kann vielleicht noch ein Zelt oder ein Sonnendach einpacken, um etwas mehr „Wohnfläche“ zu haben. Als wir dann so gemütlich vorm Bulli saßen und den Abend genossen, trafen wir auf jede Menge netter Leute, die nur allzu gerne ihre schönen Bulli-Erlebnisse teilten. Und so entschleunigt, haben wir alle vier sehr gut geschlafen auf den zum Bett umgeklappten Rücksitzen und im aufgeklappten Dach. Lange Menschen sollten sich allerdings ein bisschen zusammenrollen. Und der erste Ausblick morgens aus dem Panoramafenster in der oberen Etage war einfach mega! Ganz sicher werden wir es nicht bei diesem Testbesuch in den Fernwehbullis belassen und sind bald wieder damit unterwegs.

KINDERMEINUNG

Nun gut, den Nostalgiebonus hatte der T3 bei den Kindern natürlich nicht. Dafür gefiel es ihnen umso besser, dass sie auch mal vorne sitzen durften, weil der eine Kindersitz sich da besser anbringen ließ. Die Dreiecksfenster sorgen für beste Belüftung auch an heißen Tagen, das große Klappfenster über der Küchenzeile aber beflügelte gleich die Fantasie. Einen Eiswagen könnte man doch daraus machen oder Pfannkuchenverkauf. Sowas eben. Im Auto praktisch wohnen war für Flynn und Rocco überhaupt ungefähr das Größte. Ganz besonders liebten sie es, immer wieder in die ausgeklappte obere Schlafkoje zu klettern. Als Höhle einfach unschlagbar gut. Durch die vielen Erwachsenen, die vorbeikamen und etwas über den Bulli wissen wollten, merkten sie schnell ganz genau, dass dieses Gefährt was Besonderes ist, und auch für sie wird diese kleine Reise im Bulli ganz sicher als eine besonders schöne Kindheitsgeschichte in Erinnerung bleiben.

Heike, Markus, Julius (10 Jahre) und Paula (6 Jahre)

Seitdem die Rote Bavaria vom Band lief, haben sich die Entwickler und Ingenieure einiges einfallen lassen, und so starteten wir mit einer ganz anderen Generation von Bulli in unser Testabenteuer. Die Queen, wie dieser Fernwehbulli liebevoll getauft wurde, bietet einiges an Komfort, sowohl beim Fahren, als auch beim Bewohnen.

ELTERNMEINUNG

Als Arkadius uns die Ausstattung erklärte konnten wir nur staunen, wie ausgefuchst und praktisch gedacht dieser Bulli ist. Vom Navi vorne, das nachgerüstet wurde, bis zum Heckzelt hinten, mit dem man zusätzlichen Stauraum gewinnt, standen wir vor und in einem mobilen Zuhause, das vermutlich selbst MacGyver Freudentränen in die Augen getrieben hätte. Auch wir hatten die praktische Kochbox im Kofferraum, mit der alle Fernwehbullis ausgestattet werden, es gab einen Gasherd, eine Kühlbox, ein Netz, mit dem man die obere Schlafetage zusätzlich sichern kann, eine ausziehbare Markise an der Seite, Verdunklungsrollos an allen Fenstern, T9isch, drehbare Sitze, Stauraum, Spiegel, Klappen, Knöpfe, Schalter … sag was, egal was – es ist dran gedacht worden. Insofern trafen auch wir unterwegs auf viele sehnsüchtige Blicke und schöne Träume von fernen Bulli-Reisen. Keiner von uns ist besonderer Campingfreund und die wenigsten von uns hatten überhaupt Campingerfahrung. Insofern war die Skepsis groß, ob man sich aufs Nächtigen im Auto denn wohl wirklich freuen sollte. ABER, wir haben sehr gut geschlafen. Obwohl es ein heißer Tag gewesen war, konnten wir nicht ein bisschen über stickige Luft klagen. Die Betten waren tippitoppi bequem und Platz war auch genug. Dabei ist der Bulli kein Riesenschiff, mit dem man beim Einparken in durchschnittlichen Parklücken die Luft anhalten müsste. Und dass der ganze Wagen ein klitzekleines Bisschen schwankt, wenn sich oben einer umdreht, ist auch eher witzig als nervig. Der Fahrkomfort entspricht auch voll und ganz dem, was man von modernen Autos inzwischen gewohnt ist. Damit kann man durchaus auch längere Reisen angehen, egal ob lange Strecke oder lange Zeit. Kurzum: Wir verreisen gerne noch mal mit der Queen und sind, was das Campen im Bulli angeht, von jeder stirnrunzelnden Skepsis gründlich befreit.

KINDERMEINUNG

Die Kinder waren schon Tage vorher wahnsinnig aufgeregt. Wenn man so gerne Höhlen und Buden baut und einrichtet, dann ist es offenbar ein wahr gewordener Traum, wenn man in so einen Bulli darf, der Auto, Küche, Wohnzimmer, Esszimmer und Schlafzimmer zugleich ist. Julius sog Arkadius‘ Erklärungen mit staunendem Mund geradezu ein und konnte danach jeden Knopf und jede Funktion mal eben erklären. Er fand auch die Idee, damit in Omas Einfahrt umzuziehen, kein bisschen abwegig. Standheizung und Klimaanlage trotzen doch ostwestfälischen Temperaturen locker. Paula konnte kaum einschlafen und war morgens ganz früh wieder wach, weil man ja im Bett liegend noch und schon rausgucken und Tiere sehen konnte. Allerdings war sie leicht irritiert, als es endlich losging: „Warum heißt das eigentlich Fernsehbulli, wenn gar kein Fernseher drin ist?“ Kleines Missverständis eben, aber einen Fernseher braucht man nun echt nicht, wenn man hiermit unterwegs ist. Mit dem mitgelieferten Campingstuhl unters Vordach und Lagerfeuer an – perfekt!

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